Warum Abschalten Zeit braucht

Der Urlaub soll Erholung bringen – doch vielen Menschen gelingt das Abschalten nicht auf Anhieb. Manche werden sogar direkt zu Beginn der freien Tage krank. Dieses als „Leisure Sickness“ bekannte Phänomen ist laut Dr. Marcel Goertz, ärztlicher Departmentleiter der Privatstationen und der Privatambulanz im Alexius/Josef Krankenhaus, keine Seltenheit. Während anhaltender Stressphasen kann das Stresshormon Cortisol Symptome unterdrücken. Sinkt der Cortisolspiegel im Urlaub, können Erkältungen, Kopfschmerzen oder Müdigkeit plötzlich auftreten. Auch die Erholung selbst braucht Zeit: Studien zeigen, dass Körper und Psyche häufig erst nach sieben bis zehn Tagen spürbar in den Erholungsmodus wechseln. Entscheidend ist dabei weniger das Reiseziel als die Möglichkeit, gedanklich Abstand vom Berufsalltag zu gewinnen.

Dr. Marcel Goertz im Gespraech mit einer Patientin

Weniger Perfektion, mehr Erholung

Entspannen im Urlaub

Für eine nachhaltige Erholung empfiehlt Dr. Goertz, die berufliche Erreichbarkeit während des Urlaubs möglichst zu reduzieren. Schon das Lesen einzelner E-Mails kann das Stresssystem erneut aktivieren. Ebenso hilfreich ist es, das Urlaubsprogramm nicht zu dicht zu planen. Wer sich bewusst Freiräume lässt und den Anspruch auf den „perfekten Urlaub“ loslässt, schafft bessere Voraussetzungen für echte Erholung. Das gilt unabhängig davon, ob die freien Tage am Meer, in den Bergen oder zu Hause auf „Balkonien“ verbracht werden. Spaziergänge in der Natur, ausreichend Ruhe und Zeit ohne Verpflichtungen unterstützen dabei, neue Kraft zu tanken. Dr. Marcel Goertz bringt es auf den Punkt: „Erholung ist kein Ortswechsel, sondern ein Zustandswechsel.“