Wenn der Jahresendspurt erschöpft

Mit dem nahenden Jahresende steigt bei vielen Menschen das Gefühl von Überforderung. Müdigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme nehmen spürbar zu – insbesondere in den Monaten November und Dezember. Die Ursachen liegen oft nicht allein im Alltag, sondern auch in einem grundlegenden Widerspruch zwischen innerem Bedürfnis und äußerem Druck.

Elisa Lynn Wrona, psychologische Psychotherapeutin am Alexius/Josef Krankenhaus in Neuss, beobachtet in ihrer Arbeit, dass der menschliche Organismus auf den Winter reagiert: Er verlangt nach Rückzug, Wärme und Erholung. Gleichzeitig bleiben berufliche und private Anforderungen konstant hoch. Dieser Gegensatz führt bei vielen zu Stress und langfristiger Belastung – insbesondere dann, wenn zum Jahresende hin das Bedürfnis entsteht, noch möglichst viel erledigen zu müssen.

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Ein zusätzlicher Belastungsfaktor sei der ständige Vergleich mit vermeintlich perfekten Lebensentwürfen in sozialen Medien. Diese digitalen Einflüsse setzen nach ihrer Einschätzung unrealistische Maßstäbe, die bei vielen Druck erzeugen – vor allem rund um die Feiertage. Die ständige Verfügbarkeit und das Gefühl, jederzeit funktionieren zu müssen, verschärfen diesen Effekt. Wrona zufolge ist es wichtig, innezuhalten und den eigenen Zustand bewusster wahrzunehmen. Sie stellt in ihrer therapeutischen Arbeit fest, dass sich viele Menschen kaum erlauben, Aufgaben zu verschieben oder „Nein“ zu sagen – selbst dann, wenn es dringend nötig wäre. Oft sei es genau diese Selbstüberforderung, die zu emotionaler Erschöpfung führt. Belastungen würden sich im Laufe des Jahres ansammeln und gerade am Jahresende sichtbar werden. Ungeklärte Konflikte, beruflicher Druck und familiäre Verpflichtungen stauten sich auf. Wer zu lange durchhalte, ohne Erholungspausen einzuplanen, riskiere Warnsignale des Körpers – von Schlafproblemen bis hin zu Erschöpfungszuständen, die im Extremfall auch das Gefühl von Entfremdung vom eigenen Alltag hervorrufen könnten.
Die Psychotherapeutin betont, dass Erholung nicht nur am Jahresende stattfinden sollte, sondern regelmäßig. Schon kleine Auszeiten – etwa durch Bewegung, Gespräche oder bewusste Medienpausen – könnten helfen, langfristiger stabil zu bleiben. Wrona sieht in Achtsamkeit einen wichtigen Schlüssel, um Erschöpfung vorzubeugen: Wer seine Grenzen kennt und respektiert, handelt aus ihrer Sicht verantwortungsvoll und stärkt die eigene psychische Gesundheit.