Experte aus der Gerontopsychiatrie ordnet das Thema ein

Der Übergang in den Ruhestand ist für viele Menschen ein großer Einschnitt. Während sich einige auf mehr Freizeit freuen, erleben andere diese Phase als Verlust von Struktur, Aufgaben und sozialen Kontakten. In der Gerontopsychiatrie des Alexius/Josef Krankenhauses begegnet das Team solchen Erfahrungen regelmäßig.

„Arbeit ist für viele Menschen weit mehr als nur Broterwerb“, sagt Pflegefachmann Reinhold Hebben, der seit vielen Jahren mit älteren Patientinnen und Patienten arbeitet. Sie gebe dem Alltag Struktur, vermittle Sinn und ermögliche soziale Begegnungen. Fällt dieser Rahmen plötzlich weg, könne das für manche Menschen belastend sein.

Nicht für jeden die richtige Lösung

Vor diesem Hintergrund wird derzeit politisch über Modelle wie die sogenannte Aktivrente diskutiert, bei der Menschen freiwillig länger arbeiten können. Aus fachlicher Sicht kann das für einige Menschen sinnvoll sein – vorausgesetzt, die Tätigkeit passt zur gesundheitlichen Situation und erfolgt ohne Überforderung. Für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder hoher Belastung kann ein längeres Arbeiten dagegen zusätzlichen Druck erzeugen.

Wichtig sei deshalb, sich frühzeitig Gedanken über die Zeit nach dem Berufsleben zu machen. Neue Interessen, soziale Kontakte oder ehrenamtliche Aufgaben können helfen, diesen Lebensabschnitt aktiv zu gestalten. Reinhold Hebben hat sich selbst ebenfalls bewusst mit dieser Phase beschäftigt – unter anderem möchte er künftig mehr Zeit in der Natur verbringen und wandern gehen. „Der Ruhestand ist ein neuer Lebensabschnitt – und er braucht genauso Planung wie das Berufsleben“, sagt er.